Erinnerungen, oder der Schnee, -26° und der Heiligabend

Veröffentlicht: Januar 6, 2009 in Diverses, Fakten, Kurzgeschichten
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Was die Einzelbegriffe aus dem Titel miteinander zu tun haben, ist zwar vorstellbar, aber nicht unbedingt gleich erkennbar.

Es hat nämlich alles mit der Kindheit zu tun, mit jenen weitentfernten Zeiten, wo es noch Traditionen gab, die ernst genommen wurden. Und wo ich noch in meinen lieben [hach] Bergen lebte.

Also er war heute, der Heilige Abend, da in den Bergen, und er hat da so stattgefunden wie meist davor: Mit dem fastlich-festlichem Abendessen aus den angestrebten wenn auch meist unrealisierbaren 12 Speisen, unabdingbaren Ritualen, kerzenbeleuchtetem Haus, dem Warten auf den ersten Stern und der schrillen Stille in der Luft.

Genau so wie dies alles, gehörte auch der Winter dazu – der richtige Winter. Der tiefe Schnee, der üblicherweise an dem Tag die Erde wieder ‚erneuert‘ hätte  und – unbedingt! – die erst- und oft die alltiefste Kälte des Winters. Bei sonstigen -16° wäre es unter -20°, bei sonstigen -20° — um die -30°. Minus 36 Grad würde ich meine niedrigsten Kälteerlebnisse nennen, und diese waren eben zur gleichen Zeit.

Sie hat nie gestört, diese Kälte, nein, ganz umgekehrt: sie zählt zu den freudigsten Assoziationen mit dem Winter und den Feiertagen. Es wäre fast keine Weihnachten ohne, keine richtigen jedenfalls.

Es wäre gegen 19 Uhr, und wir würden durch die Gegend laufen, eine halbe Stunde vielleicht: der übliche Heiligabendbesuch mit dem üblichen Weg dahin. Mit den Weihnachtsliedern, an die man sich noch spontan auf dem Weg erinnern konnte, dem klaren Himmel, keinen Laternen natürlich, dafür mit der mond-, sternen- und schneebeleuchteten Straße (hell wie am Tag… und trotzdem nacht-mystisch und nacht-ruhig)…

Und! Mit dem – Schnee-Knirschen! unter den Füßen – einem Geräusch, das auch ganz besonders klang, bei -25° in der stillen Nacht auf diesem halbstündigen Weg. Ich habe dieses Geräusch genossen, es knallte fast in der Luft wenn man aufhörte zu singen, und jedoch fühlte und hörte es sich ganz sanft an, ganz angenehm. Dich gab es nicht, es gab nur das Knirschen, den Schnee und gelegentlich die auf dem neuverschneiten Straßenteil gelassenen Schritte.

So sind es jetzt in Leipzig – ausgerechnet an diesem Abend, der in meinen alten Bergen eben der Heiligabend ist – die hier ungewöhnlichen -26°, und der Schnee knirscht unter meinen Füßen, an die weitentfernten Zeiten erinnernd, sehnsüchtig machend, fast schmerzhaft… und träumerisch…

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