Identitätssuche oder Das Alte ist nur das gut erfahrene Neue

Veröffentlicht: Mai 11, 2009 in Fragen, Gedanken
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Und ja, du findest immer die neuen, aber dafür verlierst du so viele alte – Freunde, Bekanntschaften, Menschen, die dir mal nah waren, dein Zuhause. Durch die Welt ziehen, alles hinter sich lassend und nicht wissend, wie und wohin. Und ob es mal ein Zurück geben wird. Meist wird es es nicht geben, denn du veränderst dich ja, und alle und alles, von dir gelassen, verändern sich auch. Alles, was du hinterlässt, wird zur Vergangenheit. Was bleibt, sind nur Träume und Sehnsüchte. Die Gegenwart ist anders, die ist neu, und die musst du dir erneut zu ‚deiner‘ machen. Wenn du es noch kannst. Ich weiß es nicht mehr. Wer bin ich und wer werde ich? Ich weiß nur, wer ich mal gewesen bin, unterschiedliche Identitäten zu verschiedenen Zeiten. Viele Identitäten. Unklare Identitäten. Welche Sprache nenne ich meine? Welche Sprache ist mir näher? Allgemein? Jetzt? Das weiß ich nicht mehr. Es ist nun die fünfte Sprache, die ich als ‚meine‘ spreche, auf der ich denke, auf der ich schreibe, auf der ich fühle. Und mit jeder ‚meinen‘ neuen Sprache vergesse ich ein bisschen meine anderen. Werde ich reicher? Werde ich dummer? Nach und nach verliere ich das, was mich mal ausmachte. Die kindlichen Ängste, das Neurotische, die Ticks – die werden wahrscheinlich bleiben, für immer. Was bleibt noch? Teilchen der zerrissenen Geschichte, Geschichte des Landes, Geschichte der Länder, meiner Geschichte. Werde ich reicher? Werde ich weiser? Was bedeuten all diese Erfahrungen, nach denen ich suche, die ich mir erkämpfe, die ich überlebe? Wie viele werde ich noch überleben? Überleben wollen? Es gibt nur Neues und es geht nur vorwärts… Nur welche Richtung?

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Kommentare
  1. donna sagt:

    Ein bemerkenswerter Bewusstseinsstrom…Viele dieser Fragen habe ich mir auch gestellt – wirklich! Antworten erschließen sich manchmal nur milimeterleise – und die Richtung? Können wir die überhaupt beeinflussen???

    Gruß – Donna

    • tenti sagt:

      danke für deinen netten kommentar… ich glaube, solche fragen stellen sich viele, die antworten bekommen wenige, die richigen… wenn überhaupt…

      was wir schon können, ist eine bestimmte richtung gehen zu wollen. für mich noch eine unbeantwortete frage…

  2. juh sagt:

    Ist Multikulturalität nicht ein furchtbar banales Stichwort für so viele Fragen?

    Fünf Sprachen? Mutter-, Vater-, Onkel-, Tanten-, Brudersprache? Welche fünf sind das?

    • tenti sagt:

      für viele fragen viele stichwörter..

      ‚multikulturalität‘ dabei – ja, furchtbar abgenutzt, furchtbar banal. genau deswegen. passt sehr gut zu meinem leben…

      fünf sprachen. du hast fast alle erraten. Mutter-, Vater-Staat-, Großer-Bruder-, Onkel-Sam-Sprache und… Deutsch (: ist mir irgendwie nicht verwandt)

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