Fragen zum Leben ohne Ziel und ohne Titel

Veröffentlicht: Oktober 11, 2009 in Fragen, Gedanken, Selbstgespräche
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– Was willst du denn im Leben erreichen?
– Es ist zu schwierig, darauf gleich zu antworten. Ein Lebensziel in einem Satz, absurd.
– Du kannst aufzählen, du kannst große und kleine Ziele nennen. Du kannst zwei Sätze machen.
– Ich… Ich weiß nicht.
– Nicht mal ein kleines Ziel?
– Ich hasse Ziele, Lebensziele, absurd, man soll das Leben doch einfach leben, oder?
– Was heißt für dich ‚leben‘?
– Naja, irgendwie, dem Leben gerecht zu werden.
– Was bedeutet das?
– Du engst mich in die Falle.
– Ich frage nur. Du hast es selber gesagt, du musst etwas darunter verstehen. Was verstehst du unter ‚dem Leben gerecht zu werden‘?
– Nun. Das Leben so zu leben, dass es irgendwie sinnvoll ist.
– Wie denn genau?
– Das ist für jeden unterschiedlich.
– Wie ist es für dich?
– Ich glaube, es würde sinnvoll werden, wenn ich aufhören würde, über den Sinn nachzudenken.
– Um anstatt?
– Um anstatt einfach zu leben.
– Heißt leben also nicht nachdenken?
– Nein. Aber das Nachdenken macht es schwieriger.
– Es muss also leicht sein?
– Ähm. Nein. Naja. Vielleicht doch. Das Leben an sich muss ja nicht schwierig und kompliziert sein. Wir machen es meistens selber so.
– Es muss nicht schwer sein, ok. Aber muss es dafür leicht sein?
– Na müssen tut es bestimmt nicht. Müssen ist eine menschlische Eigenschaft.
– Was ist denn mit dem Leben?
– Ja, was ist mit ihm?
– Willst du überhaupt leben?
– Was meinst du denn unter ‚leben‘?
– Du spielst meine Züge nach.
– Ist doch gerecht.
– Ja, das stimmt.
– Also?
– Nun… Es ist schon irgendwie schwierig. Aber wenn man ein Ziel hat, ist es einfacher.
– Was ist einfacher?
– Darüber zu reden.
– Du meinst über das Ziel.
– Ja. Aber auch über das Leben.
– Man kann doch auch einach über das ziellose Leben reden.
– Hast du ein zielloses Leben?
– Und wenn ja?
– Ich frage nur. Aber ich glaube das sowieso nicht.
– Du hast wohl deine Gründe dafür…
– Nun, vielleicht kannst einfach nicht erkennen, was deine Ziele sind. Aber die hast du trotzdem.
– Zum Beispiel?
– Zum Beispiel in Form von Wünschen. Du wünschst dir sicher irgendwas, im Leben.
– Vielleicht. Vielleicht hätte ich etwas gerne, vielleicht wäre ich etwas gern. Aber das kann doch nicht gleich mein Lebensziel werden.
– Naja, implizit schon. Gerade das ist vielleicht das Problem. Du verneinst Lebensziele, dein Lebensziel insbesondere, und strebst trotz dessen dein ganzes Leben etwas an, was dir nicht mal wirklich bewusst ist. Du lebst so zu sagen ziellos und richtest trotzdem alle deine Bemühungen diesem etwas an, was du nicht mal anerkennst.
– Ist das jetzt mein Urteil?
– Es ist eine Hypothese. Ein Vorschlag für eine Hypothese. Denk darüber nach. Was wünschst du dir, im Leben, was du dir nicht zugestehen möchtest?
– Dürfen nur die Wünsche, die ich mir nicht zugestehen will, als geheime Lebensziele gelten?
– Gewissermaßen schon. Zumindest damit sie dein Leben weniger bewusst regieren.
– Und du willst, dass ich jetzt einfach so etwas erzähle, was ich mir nicht zugestehen möchte, gar was mir nicht mal bewusst ist?
– Nun, bewusst kannst du es machen. Wenn du möchtest. Und ob du es erzählen magst, ist ja auch dir überlassen. Du kannst jedenfalls damit anfangen, es dir zu erzählen.
– Wofür?
– Damit du es weißt.
– Und was mach ich damit?
– Nachdenken.
– Das Leben schwieriger machen?
– Oder besser verstehen. Schlüsse ziehen.
– Was für Schlüsse?
– Ich weiß nicht. Hängt ja von deinen Ergebnissen ab.
– Und wenn es keine gibt?
– Dann bleibst du wo du bist. Dann kannst du keine Schlüsse ziehen.
– Vielleicht ist es auch besser so.
– Du hast Angst vor Entscheidungen?
– Und wenn ja?
– Es ist auch deine Entscheidung, Angst zu haben.
– Ich kann mich also dafür entscheiden, aber nicht dagegen?
– Warum kannst du dich nicht dagegen entscheiden?
– Weil Angst nicht rational ist.
– Und du kannst dich nur für rationale Dinge entscheiden?
– Nein, aber Entscheidungen sind rational. Angst eben nicht. Angst kann Entscheidungen beeinflussen, Entscheidungen Angst nicht.
– Wirklich?
– Entscheidungen können Angst vielleicht mindern. Aber wenn man sich gegen Angst ‚entscheidet‘, ist es der Angst ja völlig egal. Die ist einfach da.
– Du kannst aber entscheiden, wie du mit der Angst umgehst.
– Wenn ich Angst vor Entscheidungen habe. Und dann trotzdem ständig entscheide, sei es nur, wie ich mit dieser Angst umgehe. Dann habe ich ständig diese Angst dabei, ein angsterfülltes Leben ist es dann.
– Du hast sowieso ständig Angst, sollte für dich ja kein Unterschied sein…
– Dann warum soll ich das tun, wenn es keinen Unterschied macht?
– Sollst du nicht. Kannst du. Und das macht schon einen Unterschied. Die Angst existiert nur, bevor du etwas machst bzw bevor etwas passiert. Du siehst es schon an dem, wie man über sie redet. Man sagt, Angst vor Entscheidungen, Angst vor etwas. Danach gibt es sie nicht, das schließt zumindest die menschlische Sprache aus, – sie kann nur davor sein. Und wenn du dieses ‚davor‘ überschreiten kannst, trittst gleich auch über die Angst hinweg, lässt sie dahinter, wenn sie dir nichts mehr antun kann.
– Ich bin müde.
– Du weichst aus.
– Nein, ich entscheide mich jetzt, dieses Gespräch zu beenden, indem ich mich für müde erkläre…

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