Archiv für November, 2009

the shape of things to come

Veröffentlicht: November 29, 2009 in Gedanken
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Es gibt kein Morgen, es gibt keine Zukunft. Es gibt nur Hoffnungen und Ängste.

Delusion

Veröffentlicht: November 9, 2009 in Kurzgeschichten
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Ein Lächeln. Ja, es war ein flüchtiges, kaum vernehmbares, aber eben ein Lächeln. Fast betäubt von diesem unsagbaren Glück, kniete Tobo nieder und schloss die Augen. Ihr wurde schwindelig, sie hatte das Gefühl, mitten im Licht zu schweben, gewichtlos, korperlos, selbstlos. Sie merkte nichts um sich, Zeit und Raum und Menschen hörten auf zu existieren. Sie wusste nicht, wie lange sie so da knietete, es könnte eine Ewigkeit gewesen sein.
Aber dann ließ die Wirkung des gespenstigen Lächelns nach, und Tobo befand sich wieder auf dem Boden, verfroren, mit schmerzenden Knien. Sie erhob sich. Vorsichtig machte sie zwei Schritte und blieb wieder stehen. Sie wusste nicht, wohin, sie wusste nicht, wofür. „Bleib hier,“ flüsterte etwas ihr ins Ohr, „warte, nur noch ein bisschen!“ Tobo seufzte. Sie hat schon lange gewartet. Schon seit aller Zeiten, vielleicht. Zumindest konnte sie sich nicht erinnern, jemals nicht gewartet zu haben. „Ich kann nicht mehr,“ ging es ihr plötzlich im Kopf. Erschrocken fuhr sie in sich zusammen. „Wahnsinn. Ich habe immer gewartet. Ich kann nicht anders. Ich muss einfach warten.“ Unsicher versuchte sie zu lächeln. Aber ihre verfrorene Lippen wollten sich nicht bewegen. „Wahnsinn,“ tauchte es wieder in ihrem Kopf auf. „Es tut weh, zu lächeln.“ Vor Schmerz fast gelähmt, lauschte Tobo in die Stille hinein. Es kamen aber keine Worte mehr rüber, der Lärm, anfangs im Hintergrund, nahm jetzt an, er wurde stärker und stärker, er übertönte die Kälte, er schlug dem Mädchen ins Gesicht. Der Lärm des Gedankensturms, in dem Tobo ihre Ruhe suchte. Sie blutete. Aber sie wehrte sich nicht. Sie wehrte sie nie. Sie knietete nur wieder und senkte ihren Kopf.
Erneut schwebte Tobo in der Luft und wusste nicht, wo sie ist, was sie tut. Nur diesmal war die Luft rot und erinnerte sie ans Blut. Ihr eigenes klebriges Blut, und das atmete sie ein und aus. Angst überflutete Tobo, und sie schrie, schrie aus allen Kräften. Aber es kam kein Laut heraus. Sie versuchte, dieses Bild abzuwerfen, aus dem Traum rauszukommen, und konnte es nicht. Die rote Luft war einfach da. Dem Mädchen wurde schlecht, es konnte nicht atmen, es war kurz vor Ersticken. Hastig rannte Tobo nach Luft, aber nun war keine mehr da. Etwas versperrte ihr den Atem, etwas schlug gegen ihre Brust und sie hustete, wie im Anfall, wie wahnsinnig ihr Selbst aus. Ähnlich dem Zigarettenrauch quollen fein geformte rote Blutwolken heraus. „Wie schön,“ dachte sie entsetzt, und fiel zu Boden. Die roten Wolken erlöschen langsam mit einem flüchtigen, kaum vernehmbaren Lächeln.

Frage mich nicht mehr. Sage nichts. Ich bin so müde. Ich weiß es nicht. Ich kann es nicht mehr hören. Ich bin verzweifelt, du tust mir weh mit deinen Fragen, mit deiner Wahrheit. Ich kann keine Wahrheit ertragen, da ertrinke ich. Mich gibt es da nicht. Ich bin in Lügen geboren und gepflegt, ich wurde mit Lügen eingeschläfert und aufgeweckt, mit Lügen geküsst und weggeschmissen. Ich glaubte alles, eifrig, selbstvergessen, obwohl ich wusste, dass es Lügen waren. Denn es waren ja meine Lügen.
Ich brauche Lügen. Ich brauche sie, um mich wieder aufzuraffen, um wieder aufzutauchen und mich an der Oberfläche zu halten, irgendwie. Jede deine Wahrheit ist ein Schlag, und jedesmal platzt eine meiner Lügen darunter. Was habe ich davon? Ich sinke nur tiefer, die Luft hält mich nicht, das Wasser hält mich nicht, die Erde sowieso, schon lange nicht. Ich muss wieder Ballast abwerfen, aber was ist mir geblieben? Noch ein paar Wünsche und dann bin ich nackt, mit den letzten Lügen kann ich mich zudecken. Schau mich nicht an. Oder willst du zusehen, wie ich ertrinke? Ich kann dir nichts mehr bieten, ich habe nichts mehr, ich habe mich nicht mehr. Aber du wolltest mich ja nie. Du wolltest nur Lügen. Nimm! Nimm meine Letzten… Jetzt sind alle glücklich. Du hast was du wolltest und ich will nichts mehr.

Shorts

Veröffentlicht: November 1, 2009 in Gedanken, Gefühle
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Ich habe Messer in meinen Augen, oder Sägen, jedenfalls scharf. Jedes Mal schneden sie ein Augenstückchen ab, langsam, genüsslich, jedes Mal wenn ich weinen möchte. Es geht einfach nicht. Ich bin jetzt zum Teil blind – 4,75 dio., ich sehe weniger, aber ich weine auch weniger. Manchmal nur. Ich kann mir auch nicht erklären, warum, und das ist das Schlimmste. Dann ist der Schmerz so stark, dass ich meine Augenlieder betasten muss, Blut suchend. Aber sie sind trocken, kein Blut, keine Tränen. Nur ein verwundeter Blick, der sich nach innen einschleichen wollte, bleibt an den Wimpern zittern.

Ich bin mir fremd. Ich kenne mich nicht, ich erkenne mich nicht. In meiner Erinnerung bleiben die unklaren Umrisse meiner Figur, verschwommene Gesichtszüge. (mehr …)