Delusion

Veröffentlicht: November 9, 2009 in Kurzgeschichten
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Ein Lächeln. Ja, es war ein flüchtiges, kaum vernehmbares, aber eben ein Lächeln. Fast betäubt von diesem unsagbaren Glück, kniete Tobo nieder und schloss die Augen. Ihr wurde schwindelig, sie hatte das Gefühl, mitten im Licht zu schweben, gewichtlos, korperlos, selbstlos. Sie merkte nichts um sich, Zeit und Raum und Menschen hörten auf zu existieren. Sie wusste nicht, wie lange sie so da knietete, es könnte eine Ewigkeit gewesen sein.
Aber dann ließ die Wirkung des gespenstigen Lächelns nach, und Tobo befand sich wieder auf dem Boden, verfroren, mit schmerzenden Knien. Sie erhob sich. Vorsichtig machte sie zwei Schritte und blieb wieder stehen. Sie wusste nicht, wohin, sie wusste nicht, wofür. „Bleib hier,“ flüsterte etwas ihr ins Ohr, „warte, nur noch ein bisschen!“ Tobo seufzte. Sie hat schon lange gewartet. Schon seit aller Zeiten, vielleicht. Zumindest konnte sie sich nicht erinnern, jemals nicht gewartet zu haben. „Ich kann nicht mehr,“ ging es ihr plötzlich im Kopf. Erschrocken fuhr sie in sich zusammen. „Wahnsinn. Ich habe immer gewartet. Ich kann nicht anders. Ich muss einfach warten.“ Unsicher versuchte sie zu lächeln. Aber ihre verfrorene Lippen wollten sich nicht bewegen. „Wahnsinn,“ tauchte es wieder in ihrem Kopf auf. „Es tut weh, zu lächeln.“ Vor Schmerz fast gelähmt, lauschte Tobo in die Stille hinein. Es kamen aber keine Worte mehr rüber, der Lärm, anfangs im Hintergrund, nahm jetzt an, er wurde stärker und stärker, er übertönte die Kälte, er schlug dem Mädchen ins Gesicht. Der Lärm des Gedankensturms, in dem Tobo ihre Ruhe suchte. Sie blutete. Aber sie wehrte sich nicht. Sie wehrte sie nie. Sie knietete nur wieder und senkte ihren Kopf.
Erneut schwebte Tobo in der Luft und wusste nicht, wo sie ist, was sie tut. Nur diesmal war die Luft rot und erinnerte sie ans Blut. Ihr eigenes klebriges Blut, und das atmete sie ein und aus. Angst überflutete Tobo, und sie schrie, schrie aus allen Kräften. Aber es kam kein Laut heraus. Sie versuchte, dieses Bild abzuwerfen, aus dem Traum rauszukommen, und konnte es nicht. Die rote Luft war einfach da. Dem Mädchen wurde schlecht, es konnte nicht atmen, es war kurz vor Ersticken. Hastig rannte Tobo nach Luft, aber nun war keine mehr da. Etwas versperrte ihr den Atem, etwas schlug gegen ihre Brust und sie hustete, wie im Anfall, wie wahnsinnig ihr Selbst aus. Ähnlich dem Zigarettenrauch quollen fein geformte rote Blutwolken heraus. „Wie schön,“ dachte sie entsetzt, und fiel zu Boden. Die roten Wolken erlöschen langsam mit einem flüchtigen, kaum vernehmbaren Lächeln.

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Kommentare
  1. Fabian L. sagt:

    Diese Geschichte war wirklich spannend und hat mir sehr sehr gut gefallen. Übrigens schöne Seite – hier kann man viel lesenswertes finden.

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