Archiv für die Kategorie ‘Gedanken’

Schwarze Löcher

Veröffentlicht: September 1, 2010 in Gedanken, Gefühle
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Ein Leben voller schwarzer Löcher.
Da tanzt du freudig und selbstvergessen unvorsichtig an so einem Loch vorbei und schon ist die Freude hingestürzt. Und du stehst traurig am Rande und kannst nichts machen. Die schwarzen Löcher saugen das Schöne ein (denn die Schwärze muss strahlen, und strahlen kann man bekanntlich vor Glück oder vor Freude, beispielsweise) und lassen dich mit deinen Sorgen da.

Ein Leben voller Löcher.
Da merkt man immer wieder, dass was fehlt, aber dann ist es schon zu spät. Eine verlorene Liebe, eine vergessene Freundschaft aus dem schwarzen Loch herausfischen – eher würde man selbst abstürzen.
Irgendwann passiert auch das.
Jetzt saugen sie meine Kräfte aus, meine Energie, den Glauben, an irgendwas. Was bleibt dann aus mir, als ein verkohlter Schatten…

Aber das Schlimmste ist, wenn Menschen ausrutschen. Menschen, die man geliebt hat, Menschen, die einem nahe waren. Du sitzt da und wartest auf sie, stundenlang, tagelang. Und sie kommen nie wieder.
Mag sein, dass die Löcher irgendwann schrumpfen und verschwinden, aber sie geben das Eingesaugte nie so zurück, wie es mal gewesen ist. Schatten von Gegenständen und Menschen, wage Erinnerungen. Mag auch sein, dass alles, vieles, was in so ein Loch hingefallen ist, irgendwo am anderen Ende des Lebens auftaucht, in einem anderen Leben, auf der anderen Seite. Wer weiß, was da drinnen geschieht. Zurück kommt aber höchstens ein Schatten.

Ein Leben in Grau, übersät von strahlenden schwarzen Löchern, hunderten, wo immer man schaut. Die untergehende Sonne – die letzte? Ins Meer oder ins Loch gesunken? Eine sternlose Nacht hinter Gitter.

Melancholie.
Am Rande sitzen und mit den Füßen baumeln.

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Gerüche

Veröffentlicht: Juli 2, 2010 in Diverses, Gedanken, Gefühle
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Gerüche…
Scharf, schneidend, feucht-erdig. Wachsende Pilze (Welche? Pfifferlinge?), in der dunklen Feuchte, im Laub und Moos…
Mild, trocken, mit verwelkter Frische. Glatzköpfige Felder, die sich noch an Heu erinnern, aber nicht mehr ans Gras, noch nicht, auch.
Süßlich-staubig, angebrannt, angenehm alt. Hopfen? (Warum Hopfen?) Altes Buch mit vergilbten vertrockneten Seiten. Verstaubt, sich in Staub verwandelnd. Geröstetes Roggenmehl, heiß und duftend.

Gerüche…
So gegen Mitternacht scheinen sie am intensivsten zu sein. Als ob sie sich von den schreienden Bildern des Tages, vom Lärm der Autos, Menschen und der Stadt loslösen können und ihr eigenes Leben führen. Verspätete Menschen verirren wollen. Verführen. Mich jedenfalls. Auf dem kurzen Radweg durchlebe ich Tausend Geschichten, die mich mitreißen wollen, irgendwo in andere Welten, Traumwelten, meine Welten. Meine Vergangenheit. Kindheit. Meine Geschichten, die ich nicht mehr kenne, die so unsichtbar, so flüchtig sind, wie diese zarten Geruchswölkchen, – und doch genau so stark, so verlockend, Sehnsucht erweckend, Kopf verdrehend, schlagartig, fast zur Ohnmacht. Ich rase weiter, ohne anzuhalten, ohne langsamer zu werden, obwohl alles in mir schreit, zurück möchte, wehrt sich panisch, um mit dem Geruch wegzufliehen, seine Quelle zu suchen. Ich fahre weiter, durch die Angst hindurch, Angst, das letzte Fetzchen diesen unheimlich nahen Geruchs zu verlieren, Angst, die mich überwältigt und lahm macht. Ich verdrehe den Kopf, ich vergesse die Straße, ich spüre mein Rad nicht, es sind die unsichtbaren zarten Fäden, die mich zurückziehen, in die Tiefe, in die unerkannten Geschichten, die mich wahnsinnig machen. Und dann reißen sie, irgendwann, und ich muss mich am Lenkrad halten, so erschütternd ist die wiederkehrende Leere.

Gerüche…
So unrealistisch und so real. Surreal. Wie Träume. Deutlich spürbar, ganz in der Nähe, fast in der Hand – und unfassbar. Sie greifen nach dir, greifen dich an – und bleiben stets ungreifbar, unbegreifbar. So vage, so verwirrend, das Vergangene, das Jetzige und das Mögliche durcheinander bringend. Wie Träume. Es fehlt an Zeit, an Klarheit und an Wörtern, um dieses flüchtige Ereignis wenigstens annähernd zu versprachlichen. Man vergisst die im gleichen Moment, da die verschwinden, bleibt nur ein undeutliches Gefühl – ein rastloses, mulmiges, kindlich glückliches, sehnsüchtiges, – aber immer vage und unverständlich. Und die Empfindung, da war was, etwas, was auf dich gewirkt hat, mit dir passiert ist, dich verändert hat. Du weißt es ganz genau, du spürst es, wochenlang, jahrelang. Nur was da war ist für immer ein Rätsel…

[Titel kommt später]

Veröffentlicht: Juni 15, 2010 in Gedanken
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Einmal, irgendwann, aber nicht jetzt.
Morgen, nächsten Winter, etwas später – aber nie jetzt.
Immer alles später, und nie jetzt.
Was bleibt denn einem für das Moment?
Das Warten – auf das Später.
Das freudige, ängstliche, gleichgültige Warten – auf etwas.
Egal was, Hauptsache später.

Und dann ist es irgendwann zu spät.

kopf-salat

Veröffentlicht: Juni 7, 2010 in Gedanken
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so schwer, zu denken. nachzudenken. nach und nach zu denken.

so viel drum-herum, so viele regeln, selbstverständlichkeiten. es fühlt sich künstlich an, lahm – halt plastikgedanken. und das jetzt schon… müsste mehr barfuß denken. vorsorgemaßnahmen, so zu sagen. und angenehmer.

anstatt fange ich motten auf.

der schimmel kann bleiben, es sitzt sich so schön weich darauf. ein bisschen bewegungslos warten – und man kriegt eine decke dazugewachsen. praktisch.

aber nicht jetzt. jetzt renne ich den frechen motten nach. kann man vorsichtig rennen? denn so versuche ich es, um keine staubwolken wirbeln zu lassen, um keinesfalls unordnung in dem perfekten kopfchaos zu schaffen. vorsichtig, extrem, fast lethargisch. kann man lethargisch rennen? weil wenn es kein rennen ist, warum sollte ich außer atem kommen. kann man gleichzeitig lethargisch und außer atem sein?

ich müsste auch mehr lüften, vielleicht.

so schwer, zu denken. nachzudenken.

so viel drum-herum, so viele regeln,

selbstverständlichkeiten. es fühlt sich künstlich an, lahm –

halt plastikgedanken. und das jetzt schon…   müsste mehr

barfuß denken. vorsorgemaßnahmen, so zu sagen. und

angenehmer.

anstatt fange ich motten auf.

der schimmel kann bleiben, es sitzt sich so schön weich

darauf. ein bisschen bewegungslos warten, und man kriegt

eine decke dazugewachsen. praktisch.

aber nicht jetzt. jetzt renne ich den frechen motten nach.

kann man vorsichtig rennen? denn so versuche ich es, um

keine staubwolken wirbeln zu lassen, um keinesfalls

unordnung in dem perfekten chaos zu schaffen. vorsichtig,

extrem, fast lethargisch. kann man lethargisch rennen? weil

wenn es kein rennen ist, warum sollte ich außer atem

kommen. kann man gleichzeitig lethargisch und außer atem

sein?

ich müsste auch mehr lüften, vielleicht. so schwer, zu denken. nachzudenken. so viel drum-herum, so viele regeln, selbstverständlichkeiten. es fühlt sich künstlich an, lahm – halt plastikgedanken. und das jetzt schon… müsste mehr barfuß denken. vorsorgemaßnahmen, so zu sagen. und angenehmer. anstatt fange ich motten auf. der schimmel kann bleiben, es sitzt sich so schön weich darauf. ein bisschen bewegungslos warten, und man kriegt eine decke dazugewachsen. praktisch. aber nicht jetzt. jetzt renne ich den frechen motten nach. kann man vorsichtig rennen? denn so versuche ich es, um keine staubwolken wirbeln zu lassen, um keinesfalls unordnung in dem perfekten chaos zu schaffen. vorsichtig, extrem, fast lethargisch. kann man lethargisch rennen? weil wenn es kein rennen ist, warum sollte ich außer atem kommen. kann man gleichzeitig lethargisch und außer atem sein? ich müsste auch mehr lüften, vielleicht.

my home is my castle

Sie haben mir meine Eltern weggenommen. Meine Eltern, meinen Bruder – einfach weg, ohne dass mich jemand fragte. Nun gut, dafür habe ich einen Opa gekriegt, den ich nie hatte, aber ich wollte den Tausch doch gar nicht. Mein Cousin, meine beste Freundin, ein guter Freund – alle bieten mir irgendwelche billige Alternativen an. Ich will eure Scheiß- Alternativen nicht! Ich will meine Papa und Mama, meine Freunde, meine Erinnerungen… Ich will wieder jung sein.

Ich bin zu alt. Ja, anders kann man es nicht erklären, es ist zu spät für alles. Ich hätte längst eine billige Ich-Alternative anbieten sollen, um in diese Welt wieder reinzupassen. Wieder? Nun, irgendwie besser. Nicht, dass meine jetzige Existenz weniger billig ist. Die kostet zwar viel, ist aber eigentlich nach allen möglichen Standards wertlos… Nicht kalkulierbar – in Kindern, Männern, Wohnungen, Gehältern, – nicht passend: nichts wert. (mehr …)