Mit ‘sprache’ getaggte Beiträge

Träume

Veröffentlicht: Dezember 20, 2009 in Gefühle, Kurzgeschichten
Schlagwörter:, , , ,

Farben. Wüste der Sinne. Du lächelst. Dein Schatten verschwindet. Ich weiß nicht, wer du bist. Wofür auch. Ich habe die Farben.
Die Wüste ist sonnig und grenzenlos. Der heiße Sand küsst meine nackten Füße. Ja, ich brenne, aber es ist so schön. Auf dem glänzenden Feuer zu laufen, jeder Schritt wie ein kleiner Messerschlag. Herzschlag. Ich möchte baden, baden in diesen Flammen, damit mein ganzer Körper auch brennt. Ich möchte mit der Wüste eins sein.

Ich wache vom Gefühl auf, nicht mehr atmen zu können. (mehr …)

Versprechen. Versprechen. Versprechen. Sprechen. Sagen. Erzählen. Erklären. Hoffnung machen. Fragen. Fragen. Erklären. Sagen. WAHRHEIT.

Ich hasse Wörter. Ich hasse die Sprache. Die Sprache, die ich sprechen kann, – aber nicht kommunizieren. Was nützen mir Wörter, wenn sie leer sind? Was nützen mir Wörter, wenn sie nichts ändern? Was nützen mir Wörter, alt und vergelbt, vertrocknet und verroten, in den Kellern meines Lebens?

Wörter benutzten, damit sie noch funktionstüchtig sind, damit sie nicht verrosten. Aber nicht weil man sie braucht. Nicht, weil sie etwas aussagen. Nicht, weil sie helfen. Die Sprache, die tot ist. Die funktionalisiert ist, das Geld zu bringen. Aber nicht das Glück. Nicht, um sich zu verstehen, sondern um zu manipulieren. Nicht, um zu verstehen, sondern um zu verzweifeln. Die Sprache, die nicht mehr das bedeutet, was sie bedeuten könnte, was sie zu bedeuten hat.

Ich hasse Wörter. Wörter, die ich zu Worten fassen möchte, die ich als Worte verstehen möchte, – und immer wieder scheitere. Sie bleiben nur Wörter. Genau so leer. Genau so sinnlos. Genau so unwahr…

Und ja, du findest immer die neuen, aber dafür verlierst du so viele alte – Freunde, Bekanntschaften, Menschen, die dir mal nah waren, dein Zuhause. Durch die Welt ziehen, alles hinter sich lassend und nicht wissend, wie und wohin. Und ob es mal ein Zurück geben wird. Meist wird es es nicht geben, denn du veränderst dich ja, und alle und alles, von dir gelassen, verändern sich auch. Alles, was du hinterlässt, wird zur Vergangenheit. Was bleibt, sind nur Träume und Sehnsüchte. Die Gegenwart ist anders, die ist neu, und die musst du dir erneut zu ‚deiner‘ machen. Wenn du es noch kannst. Ich weiß es nicht mehr. Wer bin ich und wer werde ich? Ich weiß nur, wer ich mal gewesen bin, unterschiedliche Identitäten zu verschiedenen Zeiten. Viele Identitäten. Unklare Identitäten. Welche Sprache nenne ich meine? Welche Sprache ist mir näher? Allgemein? Jetzt? Das weiß ich nicht mehr. Es ist nun die fünfte Sprache, die ich als ‚meine‘ spreche, auf der ich denke, auf der ich schreibe, auf der ich fühle. Und mit jeder ‚meinen‘ neuen Sprache vergesse ich ein bisschen meine anderen. Werde ich reicher? Werde ich dummer? Nach und nach verliere ich das, was mich mal ausmachte. Die kindlichen Ängste, das Neurotische, die Ticks – die werden wahrscheinlich bleiben, für immer. Was bleibt noch? Teilchen der zerrissenen Geschichte, Geschichte des Landes, Geschichte der Länder, meiner Geschichte. Werde ich reicher? Werde ich weiser? Was bedeuten all diese Erfahrungen, nach denen ich suche, die ich mir erkämpfe, die ich überlebe? Wie viele werde ich noch überleben? Überleben wollen? Es gibt nur Neues und es geht nur vorwärts… Nur welche Richtung?

ein lächeln auf deinen lippen
(sanft…)
die sanftheit der berührung
(süß…)
das licht in deinen augen
(warm…)
und die wärme deiner nähe
(*hach*)
zaubert mir ein lächeln auf die lippen
(glücklich…)

……………………………………… (mehr …)

…aber was ist Verstehen?

Nur mental kann man die Sprache verstehen, dieses Verstehen bringt auch sprachliche Antworten, sprachliche Gemeinschaft, sprachliche Beziehungen. Verstehen durch Sprache bringt sprachliches Verstehen, nichts mehr.

Nicht das tote Regelwerk der Grammatik ist die Sprache, aber auch nicht nur das Gespräch, wie Du es auffasst. Was der Lehrer dem Lehrling einst übergeben konnte, geschah nicht über Worte, nicht über das Gespräch mit der Sprache. Zumindest nicht mit DER Sprache.

Die Sprache des Herzens, diese, die nicht in Worte zu fassen ist, des Fühlens, diese Sprache kann zum tiefsten Verstehen führen. Nicht dem mentalen Verstehen, das alles klassifizieren und klar machen will, alles absondern und differenziert betrachtet, sondern zu dem Verstehen, das die Einigkeit der Welt zu Sicht bringt, das die Einigkeit mit der Welt erfahren lässt.

Indem wir die Dinge benennen, indem wir die Welt versprachlichen und ‚verständlich‘ machen, berauben wir sie ihrer Natürlichkeit, ihrer Wahrhaftigkeit, ihrer Einheit.

Und das nicht nur bei abstrakten Dingen, bei denen auch die Sprache selbst an eigenem Können zweifelt. Auch bei ganz konkreten, ‚beschreibbaren‘ Sachen ist sie hilflos, das Eigentliche rüberzugeben.

Wenn ich das Wort ‚Tisch‘ sage, meinst Du das vielleicht gleich begriffen zu haben, – nur was meine ich damit tatsächlich? Tage würden vergehen, bis ich Dir beschriebe wie er aussieht, jener Tisch, mit allen Kleinigkeiten, die zu ihm gehören, allen Fleckchen, allen Zeichen, die seine Macher, seine Benutzer und die Zeit an ihm hinterlassen haben, vielmehr wie er sich anfühlt, wie er sich anfühlt wenn es draußen regnet, wie er sich anfühlt wenn es einen Streit gibt, – endlos könnte ich reden, und Du würdest es sowieso nicht verstehen können. Tatsächlich verstehen. Nur wenn Du bei mir stehst, in dieser Zeit des Streites, Dich an jenen Tisch genau so hälst, um Dich nicht zu verlieren, wenn Du Deine Hand auf meiner hast und sie spürst, – nur dann kannst Du ein kleines bisschen verstehen, was ich mit dem ‚Tisch‘ gemeint hatte…

„Wenn die Sprache verstummt, herrscht das Chaos, die totale Beziehungslosigkeit.“

Mit der Sprache verlieren wir nicht die Welt – was wir verlieren, ist die Illusion, die Welt zu besitzen. Die Illusion, die Welt als eine mathematische Formel, als eine beliebig zerteilbare und beschreibbare Struktur – und mit dem Gehirn – verstehen zu können. Die Sprache schafft keine Gemeinschaft, keine Einheit, sie macht fremd. Gerade sie, die Sprache, zerbricht das Individuum zusammen mit seiner Welt in vereinzelte Stückchen – das ist diese ‚Individualität‘, die nichts anderes als eine Abgesonderheit ist. Die Einheit kommt nur durch das Fühlen, durch das stumme Zuhören, das Mitspüren – nicht durch das Denken und gar Reden.

Die Verlust der Gegenständlichkeit der Gespräche macht mir keine Sorgen, diese ist und war immer künstlich gewesen. Im Eigentlichen ist die Fähigkeit jener Modewörter, „einen Gruppenbezug herzustellen“, Emotionen ausdrücken viel mehr Wert, wenn sie es auch schafft.

Über etwas sprechen, das ständige Sprechen, und über etwas reden müssen – verstummt die Sinne, das Herz, die innere Stimme, das, womit man tatsächlich etwas verstehen könnte.

Schweigen ist eine Kunst, die wir verlernt haben; eine Kunst, vollkommene Gespräche zu führen…