Mit ‘tränen’ getaggte Beiträge

Ganz leise schleicht sich Tenti mit dem vollgestopften Rucksack die Treppe runter. Die Treppenstufen sind noch nicht fertiggeschraubt, sie sitzen ungerade und machen furchtbar viel Lärm, wenn man auf sie tritt, – vor allem dann, wenn es völlig unnötig ist. Gerade jetzt ist es völlig unnötig, denn Papa macht sein Mittagsschlaf und Mama läuft hin und her in der Küche, und keiner von beiden darf Tenti bemerken. Niemand darf Tenti bemerken, sonst kommen gleich dumme Fragen, wie „Wo gehst du hin?“, dass weiß Tenti Bescheid. Und das möchte sie gerade nicht unbedingt. Oder unbedingt nicht.

Also schafft sie das ziemlich erfolgreich, bis zur Mitte der Treppe runterzusteigen, ohne ein Geräusch. Und da, genau da, wo man über eine größere Lücke treten muss, – wird ihr plötzlich schwindlich. Jetzt steht sie vor der Lücke, die sie jeden Tag überschreitet, guckt nach unten (obwohl sie genau weiß, dass sie das in solchen Situationen nicht machen sollte) und spürt wie schwer sich ihr Herz gegen den Brustkorb schlägt, immer schneller. Sie tritt zurück und überlegt, was sie jetzt machen könnte. Nach unten muss sie, und zwar schnell. Nun versucht Tenti, die Augen zuzumachen, mit einem Fuß auf die andere Stufe zu treten, im Sitzen die Beine über die Lücke zu stellen, ruckwärts, ganz langsam und ganz schnell laufen – und bei allen Versuchen kriegt sie noch mehr Angst, die Beine zittern, das Herz klopft wilder. Schließlich setzt sie sich auf die Treppenstufe, die letzte erreichbare, schaut auf die Leerstelle wie in den Abgrund, und weiß ganz genau, dass sie nie, nie rübertreten kann.

Hilflos fühlt sich die Kleine, allein und verlassen, und tut sich unheimlich Leid. Mit ihren verstaubten Händen verschmiert sie die bitteren Tränen im Gesicht, aber sie wollen nicht aufhören. Ab und dann fängt sie eine größere Träne mit der Zunge auf und schmeckt die salzige Flüssigkeit. Dann schleicht sich ihr eine aufdringliche Frage zwischen die Gedanken über die Ungerechtigkeit der lückenvollen Welt: „Warum schmecken bittere Tränen eigentlich salzig?“

Ich schließe die Augen
Schmerzende Augen
Sie tun weh wenn sich Tränen durchdrängen
Es tut weh wenn die Tränen nicht raus können
Ich frage
Und ich frage mich nicht, wonach
Ich frage mich
Und gucke mich skeptisch an
Denn alle Fragen sind schon mal gestellt worden
Alle Fragen sind banal und zwecklos
Und alle Tränen sind leblos

wieder
leben voll regen
dampfender morgen
trauerlieder
trauerklänge
vollmond in tränen
im nebel
verlorene einsame
liebe

tränen
salziges wasser
salzige wege
auf den wangen

blick
brennende augen
brennender verstand
benebelt

weinen
das innere aus
die gelähmtheit des geistes
die unwürde
den schmutz

schmerzhaft