Mit ‘wahrheit’ getaggte Beiträge

Frage mich nicht mehr. Sage nichts. Ich bin so müde. Ich weiß es nicht. Ich kann es nicht mehr hören. Ich bin verzweifelt, du tust mir weh mit deinen Fragen, mit deiner Wahrheit. Ich kann keine Wahrheit ertragen, da ertrinke ich. Mich gibt es da nicht. Ich bin in Lügen geboren und gepflegt, ich wurde mit Lügen eingeschläfert und aufgeweckt, mit Lügen geküsst und weggeschmissen. Ich glaubte alles, eifrig, selbstvergessen, obwohl ich wusste, dass es Lügen waren. Denn es waren ja meine Lügen.
Ich brauche Lügen. Ich brauche sie, um mich wieder aufzuraffen, um wieder aufzutauchen und mich an der Oberfläche zu halten, irgendwie. Jede deine Wahrheit ist ein Schlag, und jedesmal platzt eine meiner Lügen darunter. Was habe ich davon? Ich sinke nur tiefer, die Luft hält mich nicht, das Wasser hält mich nicht, die Erde sowieso, schon lange nicht. Ich muss wieder Ballast abwerfen, aber was ist mir geblieben? Noch ein paar Wünsche und dann bin ich nackt, mit den letzten Lügen kann ich mich zudecken. Schau mich nicht an. Oder willst du zusehen, wie ich ertrinke? Ich kann dir nichts mehr bieten, ich habe nichts mehr, ich habe mich nicht mehr. Aber du wolltest mich ja nie. Du wolltest nur Lügen. Nimm! Nimm meine Letzten… Jetzt sind alle glücklich. Du hast was du wolltest und ich will nichts mehr.

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Versprechen. Versprechen. Versprechen. Sprechen. Sagen. Erzählen. Erklären. Hoffnung machen. Fragen. Fragen. Erklären. Sagen. WAHRHEIT.

Ich hasse Wörter. Ich hasse die Sprache. Die Sprache, die ich sprechen kann, – aber nicht kommunizieren. Was nützen mir Wörter, wenn sie leer sind? Was nützen mir Wörter, wenn sie nichts ändern? Was nützen mir Wörter, alt und vergelbt, vertrocknet und verroten, in den Kellern meines Lebens?

Wörter benutzten, damit sie noch funktionstüchtig sind, damit sie nicht verrosten. Aber nicht weil man sie braucht. Nicht, weil sie etwas aussagen. Nicht, weil sie helfen. Die Sprache, die tot ist. Die funktionalisiert ist, das Geld zu bringen. Aber nicht das Glück. Nicht, um sich zu verstehen, sondern um zu manipulieren. Nicht, um zu verstehen, sondern um zu verzweifeln. Die Sprache, die nicht mehr das bedeutet, was sie bedeuten könnte, was sie zu bedeuten hat.

Ich hasse Wörter. Wörter, die ich zu Worten fassen möchte, die ich als Worte verstehen möchte, – und immer wieder scheitere. Sie bleiben nur Wörter. Genau so leer. Genau so sinnlos. Genau so unwahr…

Wie schwierig das ist, sich selbst etwas zu gestehen.

Viel schwieriger, als dem Anderen die ‚Wahrheit‘ mitzuteilen, wie wahr oder trügerisch sie auch immer ist. Zum Teil, weil die Wahrheit für die Anderen relativ sein darf, faktisch sein muss, und ‚wahr unter Umständen‘ sein kann. Für sich aber?

Für sich aber sind alle Umstände, Einschränkungen, Relativitätsgrad und ‚Nebenwirkungen’in Form von Gefühlen, dem dazu führenden und daraus resultierenden Zustand, und vor allem der tatsächlichen Bedeutung für sich – wahrgenommen werden, in die Analyse einbezogen.

So wird diese ursprüngliche Wahrheit dermaßen imperfekt, dass sie sich auch nicht mehr für die Rolle der Wahrheit eignet. Man sucht weiter und weiter, und stößt meist auf die ungern gesehenen ‚Kleinigkeiten‘. Kaum beachtete, vernachlässigte Kleinigkeiten, die auf Dauer unser Leben verändern, ja bestimmen.

Nicht dass wir das unbedingt beabsichtigt machen, das Nichtbeachten, das Vernachlässigen. Eher umgekehrt, gewöhnheitsmäßig, unbewusst, meistens.

Wir glauben zu glauben, dass das Erste, was der Wahrheit nachähnelt, auch die Wahrheit ist. Wir glauben zu glauben, dass die unbewusst erwünschten Verschönerungen der Tatsachen die Tatsachen selbst sind.

Wir sind die besten Lügner, wenn wir uns belügen. Wir sind die kunstvollsten und zugleich ignoransten Profis in Fragen der perfekten Eigentäuschung…

…aber was ist Verstehen?

Nur mental kann man die Sprache verstehen, dieses Verstehen bringt auch sprachliche Antworten, sprachliche Gemeinschaft, sprachliche Beziehungen. Verstehen durch Sprache bringt sprachliches Verstehen, nichts mehr.

Nicht das tote Regelwerk der Grammatik ist die Sprache, aber auch nicht nur das Gespräch, wie Du es auffasst. Was der Lehrer dem Lehrling einst übergeben konnte, geschah nicht über Worte, nicht über das Gespräch mit der Sprache. Zumindest nicht mit DER Sprache.

Die Sprache des Herzens, diese, die nicht in Worte zu fassen ist, des Fühlens, diese Sprache kann zum tiefsten Verstehen führen. Nicht dem mentalen Verstehen, das alles klassifizieren und klar machen will, alles absondern und differenziert betrachtet, sondern zu dem Verstehen, das die Einigkeit der Welt zu Sicht bringt, das die Einigkeit mit der Welt erfahren lässt.

Indem wir die Dinge benennen, indem wir die Welt versprachlichen und ‚verständlich‘ machen, berauben wir sie ihrer Natürlichkeit, ihrer Wahrhaftigkeit, ihrer Einheit.

Und das nicht nur bei abstrakten Dingen, bei denen auch die Sprache selbst an eigenem Können zweifelt. Auch bei ganz konkreten, ‚beschreibbaren‘ Sachen ist sie hilflos, das Eigentliche rüberzugeben.

Wenn ich das Wort ‚Tisch‘ sage, meinst Du das vielleicht gleich begriffen zu haben, – nur was meine ich damit tatsächlich? Tage würden vergehen, bis ich Dir beschriebe wie er aussieht, jener Tisch, mit allen Kleinigkeiten, die zu ihm gehören, allen Fleckchen, allen Zeichen, die seine Macher, seine Benutzer und die Zeit an ihm hinterlassen haben, vielmehr wie er sich anfühlt, wie er sich anfühlt wenn es draußen regnet, wie er sich anfühlt wenn es einen Streit gibt, – endlos könnte ich reden, und Du würdest es sowieso nicht verstehen können. Tatsächlich verstehen. Nur wenn Du bei mir stehst, in dieser Zeit des Streites, Dich an jenen Tisch genau so hälst, um Dich nicht zu verlieren, wenn Du Deine Hand auf meiner hast und sie spürst, – nur dann kannst Du ein kleines bisschen verstehen, was ich mit dem ‚Tisch‘ gemeint hatte…

„Wenn die Sprache verstummt, herrscht das Chaos, die totale Beziehungslosigkeit.“

Mit der Sprache verlieren wir nicht die Welt – was wir verlieren, ist die Illusion, die Welt zu besitzen. Die Illusion, die Welt als eine mathematische Formel, als eine beliebig zerteilbare und beschreibbare Struktur – und mit dem Gehirn – verstehen zu können. Die Sprache schafft keine Gemeinschaft, keine Einheit, sie macht fremd. Gerade sie, die Sprache, zerbricht das Individuum zusammen mit seiner Welt in vereinzelte Stückchen – das ist diese ‚Individualität‘, die nichts anderes als eine Abgesonderheit ist. Die Einheit kommt nur durch das Fühlen, durch das stumme Zuhören, das Mitspüren – nicht durch das Denken und gar Reden.

Die Verlust der Gegenständlichkeit der Gespräche macht mir keine Sorgen, diese ist und war immer künstlich gewesen. Im Eigentlichen ist die Fähigkeit jener Modewörter, „einen Gruppenbezug herzustellen“, Emotionen ausdrücken viel mehr Wert, wenn sie es auch schafft.

Über etwas sprechen, das ständige Sprechen, und über etwas reden müssen – verstummt die Sinne, das Herz, die innere Stimme, das, womit man tatsächlich etwas verstehen könnte.

Schweigen ist eine Kunst, die wir verlernt haben; eine Kunst, vollkommene Gespräche zu führen…

illusionary truth

Veröffentlicht: Dezember 6, 2008 in Gedanken
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let's just imitate the real until we find a better one…

good lies are better than a bad truth… lies are inevitable. lies protect, and the truth destroys… it also makes you stronger – if you survive… we lie constantly, all the time. we make up things, hide things, change things, we lie and believe in our lies. we lie about everything, but mostly about ourselves. we lie to everyone, but mostly to ourselves. we lie and try desperately to believe in our lies…