Mit ‘wirklichkeit’ getaggte Beiträge

– Ich liebe dich!
– Wirklich?
– Ja.

– Würdest du für mich sterben? Sterben wollen?
– Du fängst ja aber groß an…
– Wie die Liebe ja… Aber keine Angst, rein „für wissenschaftliche Zwecke“. Also ja oder nein?
– Nein.
– Würdest du dein ganzes Leben mit mir leben wollen?
– In guten oder in schlechten Zeiten wohl?
– Wie gesagt, bitte nur ja oder nein.
– Nein.
– Würdest du mit mir leben wollen? Mit mir zusammen ziehen?
– Nein
– Mit mir weggehen?
– Nein.
– Mich besuchen, wenn ich weg bin?
– Nein.
– Mich besuchen, wenn ich da bin?
– Nein.
– (Gern) Zeit mit mir verbringen, Dinge zusammen tun?
– Nein.
– Mit mir reden wollen?
– Nein.
– Mich sehen wollen, wenn es dir schlecht geht?
– Nein.
– Mich sehen wollen?
– Nein.

– Hm. Was würdest du denn so…?
– Nun… Ich würde dich nicht rausschmeißen, wenn du mal vorbeikommst… Wenn ich nichts vorhabe oder so… Vielleicht.
– Ah.

le|ben (lebte, gelebt)

Veröffentlicht: Mai 8, 2009 in Fragen
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Was heißt es eigentlich, wirklich zu leben?

…aber was ist Verstehen?

Nur mental kann man die Sprache verstehen, dieses Verstehen bringt auch sprachliche Antworten, sprachliche Gemeinschaft, sprachliche Beziehungen. Verstehen durch Sprache bringt sprachliches Verstehen, nichts mehr.

Nicht das tote Regelwerk der Grammatik ist die Sprache, aber auch nicht nur das Gespräch, wie Du es auffasst. Was der Lehrer dem Lehrling einst übergeben konnte, geschah nicht über Worte, nicht über das Gespräch mit der Sprache. Zumindest nicht mit DER Sprache.

Die Sprache des Herzens, diese, die nicht in Worte zu fassen ist, des Fühlens, diese Sprache kann zum tiefsten Verstehen führen. Nicht dem mentalen Verstehen, das alles klassifizieren und klar machen will, alles absondern und differenziert betrachtet, sondern zu dem Verstehen, das die Einigkeit der Welt zu Sicht bringt, das die Einigkeit mit der Welt erfahren lässt.

Indem wir die Dinge benennen, indem wir die Welt versprachlichen und ‚verständlich‘ machen, berauben wir sie ihrer Natürlichkeit, ihrer Wahrhaftigkeit, ihrer Einheit.

Und das nicht nur bei abstrakten Dingen, bei denen auch die Sprache selbst an eigenem Können zweifelt. Auch bei ganz konkreten, ‚beschreibbaren‘ Sachen ist sie hilflos, das Eigentliche rüberzugeben.

Wenn ich das Wort ‚Tisch‘ sage, meinst Du das vielleicht gleich begriffen zu haben, – nur was meine ich damit tatsächlich? Tage würden vergehen, bis ich Dir beschriebe wie er aussieht, jener Tisch, mit allen Kleinigkeiten, die zu ihm gehören, allen Fleckchen, allen Zeichen, die seine Macher, seine Benutzer und die Zeit an ihm hinterlassen haben, vielmehr wie er sich anfühlt, wie er sich anfühlt wenn es draußen regnet, wie er sich anfühlt wenn es einen Streit gibt, – endlos könnte ich reden, und Du würdest es sowieso nicht verstehen können. Tatsächlich verstehen. Nur wenn Du bei mir stehst, in dieser Zeit des Streites, Dich an jenen Tisch genau so hälst, um Dich nicht zu verlieren, wenn Du Deine Hand auf meiner hast und sie spürst, – nur dann kannst Du ein kleines bisschen verstehen, was ich mit dem ‚Tisch‘ gemeint hatte…

„Wenn die Sprache verstummt, herrscht das Chaos, die totale Beziehungslosigkeit.“

Mit der Sprache verlieren wir nicht die Welt – was wir verlieren, ist die Illusion, die Welt zu besitzen. Die Illusion, die Welt als eine mathematische Formel, als eine beliebig zerteilbare und beschreibbare Struktur – und mit dem Gehirn – verstehen zu können. Die Sprache schafft keine Gemeinschaft, keine Einheit, sie macht fremd. Gerade sie, die Sprache, zerbricht das Individuum zusammen mit seiner Welt in vereinzelte Stückchen – das ist diese ‚Individualität‘, die nichts anderes als eine Abgesonderheit ist. Die Einheit kommt nur durch das Fühlen, durch das stumme Zuhören, das Mitspüren – nicht durch das Denken und gar Reden.

Die Verlust der Gegenständlichkeit der Gespräche macht mir keine Sorgen, diese ist und war immer künstlich gewesen. Im Eigentlichen ist die Fähigkeit jener Modewörter, „einen Gruppenbezug herzustellen“, Emotionen ausdrücken viel mehr Wert, wenn sie es auch schafft.

Über etwas sprechen, das ständige Sprechen, und über etwas reden müssen – verstummt die Sinne, das Herz, die innere Stimme, das, womit man tatsächlich etwas verstehen könnte.

Schweigen ist eine Kunst, die wir verlernt haben; eine Kunst, vollkommene Gespräche zu führen…

tränen
salziges wasser
salzige wege
auf den wangen

blick
brennende augen
brennender verstand
benebelt

weinen
das innere aus
die gelähmtheit des geistes
die unwürde
den schmutz

schmerzhaft

– Was kann ich für Sie tun?
– Was Sie für mich tun können… Naja… Was können Sie? Sie können eine Menge sinnlose Sachen für mich tun. Sie können zeigen, vorlesen, erklären, vergleichen, Geld nehmen, schönen Tag wünschen. Dafür werden Sie ja auch bezahlt.
– Wollen Sie denn überhaupt etwas kaufen?
– Kaufen? Wie kommen Sie auf eine solche Idee? Sehe ich aus wie jemand, der etwas kaufen will?
– …Nein, tun Sie tatsächlich nicht.
– Nein? Wie sieht denn jemand aus, der was kaufen möchte? Schick gekleidet? Beschäftigt? Interessiert?
– Hören Sie, wenn Sie Ihren Lebensfrust hier…
– Fangen Sie nicht etwa an unfreundlich zu werden?

– …Hallo, kann ich vielleicht Ihnen helfen?
– Ja, bitte… Ich suche so was ähnliches… aber etwas größer.

– Geflohen. Sie brauch ein Ziel, sie braucht Schemata, Logik, Klarheit. Wenn ich so was mache, tue ich den Menschen weh? Beleidige ich die? Tut es mir Leid? Soll es? Soll ich mir Leid tun?

„Wie kann ich Ihnen helfen?“ …
Das können sie ja nicht. Das können Sie nicht. Niemand kann das.