Mit ‘worte’ getaggte Beiträge

– Ich liebe dich!
– Wirklich?
– Ja.

– Würdest du für mich sterben? Sterben wollen?
– Du fängst ja aber groß an…
– Wie die Liebe ja… Aber keine Angst, rein „für wissenschaftliche Zwecke“. Also ja oder nein?
– Nein.
– Würdest du dein ganzes Leben mit mir leben wollen?
– In guten oder in schlechten Zeiten wohl?
– Wie gesagt, bitte nur ja oder nein.
– Nein.
– Würdest du mit mir leben wollen? Mit mir zusammen ziehen?
– Nein
– Mit mir weggehen?
– Nein.
– Mich besuchen, wenn ich weg bin?
– Nein.
– Mich besuchen, wenn ich da bin?
– Nein.
– (Gern) Zeit mit mir verbringen, Dinge zusammen tun?
– Nein.
– Mit mir reden wollen?
– Nein.
– Mich sehen wollen, wenn es dir schlecht geht?
– Nein.
– Mich sehen wollen?
– Nein.

– Hm. Was würdest du denn so…?
– Nun… Ich würde dich nicht rausschmeißen, wenn du mal vorbeikommst… Wenn ich nichts vorhabe oder so… Vielleicht.
– Ah.

R.I.P.

Veröffentlicht: Juli 23, 2009 in Gedanken, Gefühle
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„Es ist das Ende…“
„Ist alles wirklich vorbei?“
„Das war’s…“
„Aaargh! Nein!“
„Schluss.“
„Diesmal tatsächlich Abschied?“
„Tja. Verloren.“

Immer wieder. Viel Lärm. Viel Geschrei. Lautes Reden, Erklären, Fragen und Seufzen. Weinen und suchen und nachdenken.

Und dann, wenn das Ende tatsächlich gekommen ist, ist alles still.

Niemand wagt es, darüber zu reden. Niemand wagt es, dies auszusprechen, dies zuzugeben. Niemand wagt es, sich in die Augen zu schauen. Eine Angst, irgendwo tief, vor leisem Wissen, das vor sich selbst Angst hat. Gedanken werden vertrieben, sie schleichen sich auf Zehenspitzen immer wieder auf und ab, beängstigt, wegen der Stille. Eine ungewöhliche Stille, Stille der Leere, als ob jemand gestorben ist.

Versprechen. Versprechen. Versprechen. Sprechen. Sagen. Erzählen. Erklären. Hoffnung machen. Fragen. Fragen. Erklären. Sagen. WAHRHEIT.

Ich hasse Wörter. Ich hasse die Sprache. Die Sprache, die ich sprechen kann, – aber nicht kommunizieren. Was nützen mir Wörter, wenn sie leer sind? Was nützen mir Wörter, wenn sie nichts ändern? Was nützen mir Wörter, alt und vergelbt, vertrocknet und verroten, in den Kellern meines Lebens?

Wörter benutzten, damit sie noch funktionstüchtig sind, damit sie nicht verrosten. Aber nicht weil man sie braucht. Nicht, weil sie etwas aussagen. Nicht, weil sie helfen. Die Sprache, die tot ist. Die funktionalisiert ist, das Geld zu bringen. Aber nicht das Glück. Nicht, um sich zu verstehen, sondern um zu manipulieren. Nicht, um zu verstehen, sondern um zu verzweifeln. Die Sprache, die nicht mehr das bedeutet, was sie bedeuten könnte, was sie zu bedeuten hat.

Ich hasse Wörter. Wörter, die ich zu Worten fassen möchte, die ich als Worte verstehen möchte, – und immer wieder scheitere. Sie bleiben nur Wörter. Genau so leer. Genau so sinnlos. Genau so unwahr…

…aber was ist Verstehen?

Nur mental kann man die Sprache verstehen, dieses Verstehen bringt auch sprachliche Antworten, sprachliche Gemeinschaft, sprachliche Beziehungen. Verstehen durch Sprache bringt sprachliches Verstehen, nichts mehr.

Nicht das tote Regelwerk der Grammatik ist die Sprache, aber auch nicht nur das Gespräch, wie Du es auffasst. Was der Lehrer dem Lehrling einst übergeben konnte, geschah nicht über Worte, nicht über das Gespräch mit der Sprache. Zumindest nicht mit DER Sprache.

Die Sprache des Herzens, diese, die nicht in Worte zu fassen ist, des Fühlens, diese Sprache kann zum tiefsten Verstehen führen. Nicht dem mentalen Verstehen, das alles klassifizieren und klar machen will, alles absondern und differenziert betrachtet, sondern zu dem Verstehen, das die Einigkeit der Welt zu Sicht bringt, das die Einigkeit mit der Welt erfahren lässt.

Indem wir die Dinge benennen, indem wir die Welt versprachlichen und ‚verständlich‘ machen, berauben wir sie ihrer Natürlichkeit, ihrer Wahrhaftigkeit, ihrer Einheit.

Und das nicht nur bei abstrakten Dingen, bei denen auch die Sprache selbst an eigenem Können zweifelt. Auch bei ganz konkreten, ‚beschreibbaren‘ Sachen ist sie hilflos, das Eigentliche rüberzugeben.

Wenn ich das Wort ‚Tisch‘ sage, meinst Du das vielleicht gleich begriffen zu haben, – nur was meine ich damit tatsächlich? Tage würden vergehen, bis ich Dir beschriebe wie er aussieht, jener Tisch, mit allen Kleinigkeiten, die zu ihm gehören, allen Fleckchen, allen Zeichen, die seine Macher, seine Benutzer und die Zeit an ihm hinterlassen haben, vielmehr wie er sich anfühlt, wie er sich anfühlt wenn es draußen regnet, wie er sich anfühlt wenn es einen Streit gibt, – endlos könnte ich reden, und Du würdest es sowieso nicht verstehen können. Tatsächlich verstehen. Nur wenn Du bei mir stehst, in dieser Zeit des Streites, Dich an jenen Tisch genau so hälst, um Dich nicht zu verlieren, wenn Du Deine Hand auf meiner hast und sie spürst, – nur dann kannst Du ein kleines bisschen verstehen, was ich mit dem ‚Tisch‘ gemeint hatte…

„Wenn die Sprache verstummt, herrscht das Chaos, die totale Beziehungslosigkeit.“

Mit der Sprache verlieren wir nicht die Welt – was wir verlieren, ist die Illusion, die Welt zu besitzen. Die Illusion, die Welt als eine mathematische Formel, als eine beliebig zerteilbare und beschreibbare Struktur – und mit dem Gehirn – verstehen zu können. Die Sprache schafft keine Gemeinschaft, keine Einheit, sie macht fremd. Gerade sie, die Sprache, zerbricht das Individuum zusammen mit seiner Welt in vereinzelte Stückchen – das ist diese ‚Individualität‘, die nichts anderes als eine Abgesonderheit ist. Die Einheit kommt nur durch das Fühlen, durch das stumme Zuhören, das Mitspüren – nicht durch das Denken und gar Reden.

Die Verlust der Gegenständlichkeit der Gespräche macht mir keine Sorgen, diese ist und war immer künstlich gewesen. Im Eigentlichen ist die Fähigkeit jener Modewörter, „einen Gruppenbezug herzustellen“, Emotionen ausdrücken viel mehr Wert, wenn sie es auch schafft.

Über etwas sprechen, das ständige Sprechen, und über etwas reden müssen – verstummt die Sinne, das Herz, die innere Stimme, das, womit man tatsächlich etwas verstehen könnte.

Schweigen ist eine Kunst, die wir verlernt haben; eine Kunst, vollkommene Gespräche zu führen…

Eine Entscheidungssache, die Zeit, die Lebensabschnitte.

Die Grenze zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit ist fließend, fast unsichtbar. Wie auch zwischen der Gegenwart und der Zukunft. Wie auch zwischen der Zukunft und der Vergangenheit.

Die Zukunft existiert nicht, es sind nur unsere gegenwärtigen unsicheren Träume, Hoffnungen, komischen Pläne. Phantasie. Die Vergangenheit existiert nicht, es sind nur unsere gegenwärtigen Sehnsüchte, Ängste, Enttäuschungen, verwundeten Gefühlen, ausgebrannten Gedanken. Erinnerungsqual. Die Gegenwart existiert immer nur ein flüchtiges Moment, jedes Mal ein neues. Was wir als Gegenwart empfinden, ist ein Teil davon, was wir Vergangenheit oder Zukunft nennen, und somit nur noch eine kleinschrittige Ausdehnung von den momentanen Gefühlen und Gedanken.

Die Zeit, das Leben als Fluss von kleinsten Momenten ist schwer vorstellbar und nutzt der heutigen hi-tech Gesellschaft kaum. Der Mensch klassifiziert, um zu leben. Der Mensch lebt, um zu klassifizieren. Der Mensch klassifiziert, anstatt zu leben.

Und die Labels fertigen wir uns selber an:

Das hier ist ‚Vergangenheit‘, Unterebene ‚gestern‘ – Stempel bitte! Ähm, aber ich würde das von gestern gern in die Gegenwart verschieben… War so toll… Ein Bildchen auf die Wand? Ein Bildchen im Kopf?
Label ‚Gegenwart‘, Unterebene ‚gestern‘. Hmm, ‚ab gestern’…  Hmm… ‚morgen‘? Ja, morgen tue ich das.
Label ‚Zukunft’…

Das Gute daran ist, wir können entscheiden, was unsere so genannte Gegenwart ausmacht. Das Schlechte – wir verstehen nicht, dass es nur unsere Entscheidungen sind…

Meine Gegenwart ist ein Fluss von Nicht-Momenten…