Mit ‘zwischenmenschliches’ getaggte Beiträge

Es war Nacht. Keine Sterne fielen zu Boden, weil es keine Sterne zu sehen gab und weil die Sterne ja in Wirklichkeit nie herunterfallen konnten. Jedenfalls nicht so, dass ein Erdmensch es überleben und dann darüber berichten könnte. Was am Ende nicht wichtig war, die Tatsache blieb, dass Anna in dieser Nacht keine Gelegenheit bekam, ihren Wunsch auf eine wundersame Astro-Weise erfüllt zu bekommen. Deswegen wanderte sie durch die graue Stadt bis zum Morgengrauen, in der Suche nach einem anderen Wunscherfüller, nämlich dem Zufall. Straßen, Brücken, Wiesen und Felder, Eisenbahnschienen und Pfützen, alles vermischte sich zu einer dunklen nichtssagenden, nichts- und nirgendwohinbringenden Masse unter den Füßen.

„Ich habe lange nachgedacht…“
„Und?“
„Ich kenne dich doch nicht.“
„Das kann nicht sein.“
„Warum nicht?“
„Weil das du bist. Wenn du mich nicht kennst, wer sonst?“
„Du kennst mich halt nicht.“

Es war Morgen. Ich dachte an ihre kalten Füße in der Nacht, und wie sie geweint hat. (mehr …)

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Frage mich nicht mehr. Sage nichts. Ich bin so müde. Ich weiß es nicht. Ich kann es nicht mehr hören. Ich bin verzweifelt, du tust mir weh mit deinen Fragen, mit deiner Wahrheit. Ich kann keine Wahrheit ertragen, da ertrinke ich. Mich gibt es da nicht. Ich bin in Lügen geboren und gepflegt, ich wurde mit Lügen eingeschläfert und aufgeweckt, mit Lügen geküsst und weggeschmissen. Ich glaubte alles, eifrig, selbstvergessen, obwohl ich wusste, dass es Lügen waren. Denn es waren ja meine Lügen.
Ich brauche Lügen. Ich brauche sie, um mich wieder aufzuraffen, um wieder aufzutauchen und mich an der Oberfläche zu halten, irgendwie. Jede deine Wahrheit ist ein Schlag, und jedesmal platzt eine meiner Lügen darunter. Was habe ich davon? Ich sinke nur tiefer, die Luft hält mich nicht, das Wasser hält mich nicht, die Erde sowieso, schon lange nicht. Ich muss wieder Ballast abwerfen, aber was ist mir geblieben? Noch ein paar Wünsche und dann bin ich nackt, mit den letzten Lügen kann ich mich zudecken. Schau mich nicht an. Oder willst du zusehen, wie ich ertrinke? Ich kann dir nichts mehr bieten, ich habe nichts mehr, ich habe mich nicht mehr. Aber du wolltest mich ja nie. Du wolltest nur Lügen. Nimm! Nimm meine Letzten… Jetzt sind alle glücklich. Du hast was du wolltest und ich will nichts mehr.

– Erik?
…Wieso hat er mich angerufen? Will er sich entschuldigen? Will er, dass wir wieder zusammen sind? Nein, das ist unwahrscheinlich. Vielleicht, ja, aber er wird es nicht sagen. Er wird nicht anrufen und so was fragen. Würde er fragen, ob wir was unternehmen könnten? So unverbindlich, als ob (mehr …)

ich hätte sie lieben sollen. ich hätte ihr helfen sollen, vielleicht hätte ich auch helfen können. ihr und mir…

nein, ich habe sie nicht geliebt. ich habe sie nicht mal wirklich gemocht. manchmal konnte ich sie nicht mal ansehen (mehr …)

warum, warum fragst du mich, wer ich bin? warte, nein. du fragst ja nicht. wer bin ich denn? was wäre, wenn du fragen würdest? egal.
warum bist du dort und ich bin hier? was ist dort, was ist hier… ich weiß nicht, wo ich bin. wenn du bei mir wärst, würde ich ja nicht mehr wissen, wo du bist. so ist es gut: ich bin irgendwo und du bist weit weg.
es ist nacht und ich liege auf dem fußboden. mein einziger anhaltspunkt. ein stück fußboden im weltraum. gebt mir meine decke zurück. mir ist kalt…
gib mir deine hand. ich will wieder träumen…